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Iran: Zwei Teenager gehδngt

Urteil nach dem islamischen Recht- der Scharia

 

Das Photo zeigt zwei junge Mδnner, identifiziert als "M.A." (18) und "A.M." (16),

die am 19. Juli in Mashha, Iran, offiziell gehδngt wurden, weil sie Sex miteinander

hatten.

 

Nach Berichten der iranischen Studenten-Presse-Agentur ISNA, die auch das

obige Photo von der Hinrichtung machte, wurden die beiden Teenager unter

Islamischem Recht verurteilt, nach dem homosexuelle Akte mit dem Tode

bestraft werden. Im Gericht gaben sie ihren sexuellen Kontakt zu, sagten aber,

sie hδtten nicht gewuίt, daί darauf die Todesstrafe stehe. Sie sagtenauch,

daί Sex unter Jugendlichen im Iran sehr verbreitet sei. Der Richter weigerte

sich, dem Alter der Angeklagten Rechnung zu tragen, und verurteilte sie zum

Tode durch Erhδngen. Damit verstieί er gegen internationale, vom Iran

unterzeichnete Abkommen, die die Verhδngung der Todesstrafe bei

Jugendlichen unter 21 Jahren verbieten.  Iranische Menschenrechtsverteidiger

gehen davon aus, daί seit der Machtergreifung islamischer Kleriker in Jahre

1979 im Iran mehr als 4000 Homosexuelle - sowohl mδnnliche als auch

weibliche - hingerichtet worden sind.

 

nδhere Informationen dazu

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"Es gibt keine Ethik im Islam"                                                                                                                 taz vom 02.09.2003

 

Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban bearbeitet das Thema Homosexualitδt und Islam:

Schwule, Lesben und Frauen werden gleichermaίen unterdrόckt. Fόr einen modernen Islam bedarf es eines neuen selbststδndigen

ethischen Systems                                                                                                                              Interview ADRIENNE WOLTERSDORF

 

taz: Heute Abend gibt es einen der ersten φffentlichen Vortrδge in Berlin όber das Verhδltnis des Islams zur Homosexualitδt. Was sagt der

Koran dazu?

Ralph Ghadban: Im Koran gibt es keine klare Aussage zur Homosexualitδt. Die Geschichte von Sodom und Gomorrha, die auch in der

Bibel vorkommt, wird im Koran mehrmals erwδhnt. Es gibt zudem einen Vers, der dahingehend interpretiert wird, dass er sich vage mit

Homosexualitδt befasst.

Was bedeutet das? Gleichgόltigkeit gegenόber Homos?

Nein, es bedeutet, dass das Problem als solches nicht existierte. Es gibt aus der unmittelbaren Zeit des Propheten einfach keinen Prδzedenzfall.

Als der erste Kalif Abu Bakr einen solchen Fall zu richten hatte, war er zunδchst ratlos. Er berief sich dann auf die Sodom-Geschichte und

ordnete die Verbrennung der schwulen Delinquenten an, weil ja auch die sόndige Stadt von Gott zerstφrt wurde.

Tatsδchlich werden Homosexuelle in vielen islamischen Lδndern nicht verfolgt.

Die Knabenliebe ist ja Bestandteil dieser Kultur. Mit der Expansion des ersten groίen islamischen Reiches wurden Unmengen von Menschen

zu Sklaven gemacht, Sklavenhalterei wurde gang und gδbe, die Knabenliebe wurde gang und gδbe. Das ging mit einer eher liberalen Haltung

gegenόber der Homosexualitδt einher. Sie galt als Unzucht, die wiederum nach islamischem Recht nur mit Hilfe von vier mδnnlichen

muslimischen Augenzeugen anklagbar ist. Was praktisch unmφglich ist.

Was war der Grund fόr das gesellschaftliche Modell der geduldeten Mδnnerliebe?

Die strenge Geschlechtertrennung. Mit der Herausnahme der Frauen aus dem gesellschaftlichen Leben, ihrem Wegsperren und Verschleiern,

was rund 100 Jahre nach dem Propheten zur Norm wurde, ergab sich ein Vakuum, in dem sich die Knabenliebe massenhaft etablierte.

Damit erkennt der Islam homosexuelle Liebe lediglich als Notlφsung, nicht aber als eine Lebensform an.

Ja, und weil es plφtzlich ein soziokulturelles Phδnomen solchen Ausmaίes wurde, war es nicht mehr mφglich, jeden Einzelnen so drastisch

zu bestrafen.

Die strenge Geschlechtertrennung besteht bis heute, aber die Knabenliebe ist keine Alternative mehr.

Wie geht der Islam heute mit Homosexuellen um?

Heute wird die Pδderastie nach wie vor weitgehend als Kavaliersdelikt betrachtet. Auίerdem wurde zum groίen Teil europδisches Recht

όbernommen. Und in Europa wurde Homosexualitδt nie mit dem Tode bestraft. Allerdings war Homosexualitδt auch in Deutschland bis

1969 strafbar.

Wie erklδren Sie dann die Hinrichtung von Homosexuellen in islamischen Lδndern?

Das geschieht in Lδndern, in denen die Islamisten regieren. In Saudi-Arabien und im Iran wurden in den letzten Jahrzehnten so viele

Homosexuelle hingerichtet wie zuvor in der gesamten islamischen Geschichte nicht.

Die Islamisten versuchen, eine Art von Islam zu etablieren, der eigentlich in dieser Rigiditδt so nie existiert hat.

Was heiίt das?

Das sind Strφmungen, die versuchen, die Moral gδnzlich auf die Scharia, das islamische Recht, zu reduzieren,

sie einfach wortwφrtlich zu nehmen. Die Scharia fordert den Tod der Homosexuellen, aber das wurde in der muslimischen Welt zuvor gar nicht angewandt.

Kφnnen die hier lebenden muslimischen Schwulen und Lesben fόr sich eine liberale Haltung in Anspruch nehmen?

Wo die Islamisten das Sagen haben - und sie sind es ja, die den organisierten Islam dominieren - herrscht eine totale Ablehnung und

Verurteilung der Homosexualitδt. So kommt es auch in Europa zu Hetzpredigten gegen Schwule in den Moscheen.

Gibt es einen theologischen Ausweg aus der Diskriminierung: etwas wie das Gebot der Toleranz, der Nδchstenliebe?

Homosexuelle und Frauen werden im Islam δhnlich diskriminiert. Die Frauen versuchen da rauszukommen mit der feministischen Exegese,

also der Neuinterpretation des Korans. Das versuchen Homosexuelle auch.

Am Beispiel der Frauen kφnnen wir sehen, dass es kaum wirkt.

Eine neue Exegese allein hilft nicht. Wichtiger ist es, ein ethisches System, unabhδngig von der Scharia zu bilden, das die moralischen Werte

beinhaltet. Daran arbeiten die Islamreformer.

Wollen Sie damit sagen, dass es im Islam keine Ethik gibt?

Streng genommen ja. Der Islam ist wie das Judentum eine Gesetzesreligion. Das ethische Verhalten besteht in der Befolgung des gφttlichen

Gesetzes, im Islam als Scharia bekannt. Das Christentum ist eine Gewissensreligion, der Mensch ist vor seinem Gewissen und Gott

verantwortlich. Das irdische Gesetz wird von den moralischen Prinzipien inspiriert.

Ist im Islam von Bartstutzen bis BH-Tragen nicht alles ethisch gefδrbt?

Ja, das islamische Recht erhebt den Anspruch, alles zu regeln. Selbst Fragen, die mit Moral nichts zu tun haben. Aber neben der Scharia

finden wir einen Bereich der Religion, der die Beziehung des Menschen zu seinem Gott darstellt und von Gewissen und moralischen Werten

geleitet ist. Er kollidiert oft mit der Scharia. Dieser Bereich wurde nicht zu einem selbststδndigen ethischen System entwickelt.

Eine Wissenschaft der Moral, eine Ethik finden wir im Islam und der islamischen Kultur nicht. Die Islamreformer wollen diesen Mangel

beseitigen.

Wie kommt es, dass sich in der Migranten-Homo-Szene offenbar etwas bewegt und das Thema auf die Tagesordnung kommt?

Seitdem die liberale Gesetzgebung in Deutschland Verδnderungen gebracht hat, zum Beispiel die Homo-Ehe, kommt auch bei den Migranten

Diskussionsbedarf auf. Denn die haben meistens auch einen deutschen Pass. Sie mφchten, dass ihre doppelte Problematik diskutiert wird.

Zum einen als Homosexuelle. Sie haben Schwierigkeiten mit dem Islamismus in ihren hiesigen Parallelgesellschaften. Viele von ihnen sind

ja auch religiφs. Zum anderen haben sie als Migranten Schwierigkeiten mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

 

im Original lesen

      Die beiden Jugendlichen sind 16 und 18 Jahre alt